Warum Solarmodule nächstes Jahr billiger werden

Warum Solar Module im Jahr 2012 billiger werden

Die Nachfrage nach erneuerbaren Energien (und darunter besonders die Nachfrage nach der Solarenergie) steigt – und mit ihr das Bewusstsein unserer Verantwortung, was die Schonung der Umwelt angeht. Jedoch sind Solaranlagen nicht nur ein Thema für Ökologen. Ihre Einführung, Produktion und Verbreitung haben Auswirkungen auf noch weitreichendere Gebiete wie Wirtschaft und Politik, aber auch auf das Leben jedes Einzelnen.

Heute, im Jahr 2011, stehen wir vor einer besonderen Wende der green energy: Im nächsten Jahr sollen Solar Module billiger werden, als je zuvor. Welche Wirkungen und Ursachen dies hat, wird im Folgenden beschrieben.

Jedes Jahr werden in Deutschland die Preise für Photovoltaikanlagen geprüft. Die gegebenen Falls nötige neue Preisberechnung funktioniert folgendermaßen:

Als Besitzer von Solarzellen, beispielsweise auf dem Hausdach, erhalten Sie vom Staat die sogenannte Einspeisevergütung. Das bedeutet, dass der Strom, den Sie nicht selbst nutzen, ins allgemeine Stromnetz eingespeist wird. Dafür bekommen Sie Geld. Zur Zeit (2011) beläuft sich die Summe auf 28,73 Cent pro Kilowattstunde. Diese Summe wird jedoch von Jahr zu Jahr um etwa neun Prozent verringert, da immer mehr Menschen (oder auch ganze Unternehmen) sich dazu entscheiden, eine Photovoltaikanlage anzuschaffen, um nicht nur den eigenen Bedarf zu decken, sondern eben auch um von der Einspeisevergütung zu profitieren. 2012 sollen bis zu 15 Prozent weniger an Einspeisevergütung gezahlt werden. Bekanntgegeben hat dies die Bundesnetzagentur am 27. Oktober diesen Jahres. Zugrunde liegt dieser Regelung das Gesetz für den Vorrang Erneuerbarer Energien (oder kurz Erneuerbare-Energien-Gesetz, EEG), das im Jahr 2000 verabschiedet wurde.

Das scheint auf den ersten Blick ein Nachteil für den Einzelnen zu sein und erklärt nicht, warum Solar Module im kommenden Jahr billiger werden. Die Seite, die man dazu in Betracht ziehen muss, ist eine makroökonimische:

Wenn immer mehr Menschen oder Unternehmen sich allerdings für Solarzellen entscheiden, bedeutet das auch, dass dank der großen Nachfrage die Entstehungs- beziehungsweise Montagekosten sinken. Besonders bedrohlich für die deutschen Unternehmen ist die Konkurrenz aus China, die ihre Solar Module für bis zu 20 Prozent weniger anbieten. Aber auch in der Montage ist Konkurrenz entstanden: Noch vor wenigen Jahren, als die ersten Leute sich für erneuerbare Engerien entschieden haben, gab es nur wenige Firmen, die sich auf die Montage von Solarzellen spezialisiert hatten. Heute, wo Photovoltaik schon fast zu unserem Alltag gehört, müssen diese ersten Firmen sich den Marktanteil mit einer neu entstandenen Konkurrenz teilen. Jede einzelne Firma muss sich nun nicht nur mit qualitativer Arbeit, sondern auch mit geringen Preisen durchsetzen. Das wiederum heißt für den Käufer, dass er zwar weniger Geld im Zuge der Einspeisevergütung bekommt, von vorne herein aber auch weniger Geld in die Solarzellen investieren muss. Und weiter: Auch die Wartung und Reparatur der Anlagen, die früher besonders aufwändig waren, sind heute, dank der großen Verbreitung, günstiger. In Zahlen: Seit 2007 haben sich die Preise für Photovoltaikanlagen halbiert! (Anmerkung: Keine andere Art der Stromgewinnung hat es je geschafft, ihre Preise in so kurzer Zeit zu drücken – im Gegenteil: Die Strompreise steigen tendenziell!)

Das dritte Standbein der Preisberechnung ist das Einkalkulieren der Rohstoffpreise. Die Preise für Edelstahl und Aluminium, welche für das Untergestell benötigt werden, sind etwa gleich geblieben. Daraus resultieren stabile Rohstoffpreise.

So weit so gut. Aber warum werden genau 2012 die Preise so drastisch sinken?

Grund ist ein weiterer, noch nicht genannter Faktor: Die Lagerung. Aufgrund einer Überproduktion wurden mehr Solar Module angefertigt, als benötigt werden. Für diese fehlt nun der Platz. Als Resultat müssen Anfang des Jahres 2012 Lagerkapazitäten abgebaut werden, was dazu führt, dass die Solar Module zum Teil unter ihrem Einkaufswert weiterverkauft werden. Ein unbeschreiblicher Preisdruck. In Zahlen bedeutet dies, dass man im Jahre 2012 sage und schreibe 18% weniger für Solar Module bezahlen wird, als 2011. Als Resultat geht man davon aus, dass Solarstrom selbst ohne Subventionen vom Staat so günstig wird wie der Haushaltsstrom, den Sie jetzt noch beziehen. Dieses Phänomen wird als „Stromparität 2012“ bezeichnet (englisch: grid parity). Einige Spekulanten gehen sogar noch weiter und behaupten, Solarstrom würde in gar nicht allzu weiter Ferne günstiger in der Beschaffung sein als alle anderen Arten von Strom. Auf jeden Fall lässt sich feststellen, dass Solarstrom wettbewerbs- und konkurrentsfähig wird.

Diese Neuigkeiten sind fantastisch für Ihren Geldbeutel – und für die Umwelt! Denn die Ausrede, Solar Module seien zu teuer, wird am 2012 nicht mehr gelten und somit wird wohl eine Vielzahl von Hausbesitzern in Photovoltaik und damit in die Umwelt investieren. Denn die CO2 Emissionen, die zum Beispiel bei der Stromgewinnung durch ein Kohlekraftwerk entstehen, werden eingespart. Auch dies ist ein weiterer Grund, warum immer mehr Menschen sich für erneuerbare Energien entscheiden: Green Technologies sind auf dem Vormarsch. Das Verständnis der Menschen für ihre Umwelt lässt sie immer weiter dazu tendieren, grüne Energien zu bevorzugen. Dies lässt sich anhand gesammelter Daten ablesen: Innerhalb der letzten zwei Jahre hat sich die erzeugte Solarstrommenge verdreifacht. Trotzdem ist der Anteil von Solarstrom am Brutto-Stromverbrauch mit 3.5% vergleichsweise gering. Die Prognosen sind aber weitgehend positiv und gehen davon aus, dass dieser Anteil bis 2020 um 10% steigen wird.

Die einzige Frage, die sich einem nun regelrecht aufdrängt, lautet: Was passiert nach 2012? Dank des ewigen Wechselspiels zwischen Angebot und Nachfrage werden die Preise für Solar Module wohl recht stabil bleiben. Was immer weiter abnehmen wird, ist die Einspeisevergütung, bis sie eines Tages ganz wegfallen wird und die Solarenergie ganz frei von Subventionen bestehen kann. Hoffen wir für unsere Zukunft und unsere Umwelt, dass umweltunfreundliche Stromkraftwerke immer weiter in den Hintergrund gerückt werden und die green technologies mit Solar, – Wind- und Geothermiestrom weiterhin gut aufgestellt bleiben.

 

Dr. Matthias Michael. green energy marketing


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Dr. Matthias Michael

Dr. Matthias MIchael green energy marketing and development blog from New York, Boston, Hannover, German and English